Schilddrüsenerkrankung im Kindes- und Jugendalter

Im PREVIMED Gesundheitsforum für Kinder- und Jugendmedizin in Gilching nimmt das Thema Schilddrüsengesundheit, Schilddrüsenerkrankungen und die Prophylaxe von Schilddrüsenveränderungen einen hohen Stellenwert ein. Am häufigsten sind Schilddrüsenerkrankungen bedingt durch einen chronischen Jod- oder Mikronährstoffmangel. Doch gerade bei Jugendlichen stellen wir seit Jahren immer häufiger auch eine sogenannte Hashimoto Thyreoditis fest.

Hashimoto Thyreoditis – genetische Veranlagung?

Die Hashimoto Thyreoditis ist benannt nach dem japanischen Pathologen und Chirurgen Hakaru Hashimoto und gilt unter Erwachsenen mittlerweile als echte Volkskrankheit. Auch bei Kindern und Jugendlichen ist diese Form der Entzündung der Schilddrüse weiter auf dem Vormarsch. Ausgelöst wird die Hashimoto Thyreoditis durch eine körpereigene Immunreaktion. Das Abwehrsystem des Körpers hält die Zellen der Schilddrüse irrtümlich für fremd und attackiert sie. Was genau dazu führt, wird noch erforscht. Es gibt Vermutungen, dass das körpereigene Immunsystem die Schilddrüse „angreift“, da es nicht eindeutig zwischen bakteriellen bzw. viralen Eiweißbestandteilen und Eiweißpartikeln des Schilddrüsengewebes unterscheiden kann.

Was man aber gesichert weiß, ist, dass die Störung familiär gehäuft vorkommt. Die Veranlagung für eine Hashimoto Thyreoditis wird also vermutlich vererbt. Entsprechende Antikörper, die gegen das Schilddrüsengewebe gerichtet sind, können bei ca. 4 Prozent der Schulkinder nachgewiesen werden, von denen ca. 2 Prozent eine Hashimoto Thyreoditis entwickeln. Im Laufe der Jahre nimmt die Anzahl der Betroffenen zu. Mädchen sind viermal häufiger betroffen als Jungen.

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Wann bricht die Hashimoto Thyreoditis aus?

Der Ausbruch von Hashimoto Thyreoditis fällt oftmals mit hormonellen Umstellungen oder mit psychischen Belastungssituationen zusammen. Als Auslöser diskutiert werden auch schwer verlaufende Viruserkrankungen (wie das Pfeiffersche Drüsenfieber, Gürtelrose), hormonelle Störungen der Nebennierenrinde und Umwelteinwirkungen.

Auslöser für Hashimoto-Thyreoiditis:

  •  Zu hohe Jodzufuhr
  • Hormonschwankungen (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • Stress und psychische Belastung
  • Schwere Erkrankungen (Karzinome, Herzinfarkt)
  • Infektionen
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Medikamente
  • Mangel an Selen, Eisen, Zink, Vitamin D3, Coenzym Q10, Omega 3-Fettsäuren
  • Weibliches Geschlecht (X-Chromosom,weibliche Hormone)

Wie merkt man, dass ein Kind/Jugendlicher unter einer Hashimoto-Thyreoiditis leidet?

Die klassische Hashimoto Thyreoditis verläuft als schmerzlose Entzündung, die nur bei 15-40 Prozent der betroffenen Patienten typische Beschwerden verursacht. Diese können sein:

  • Vergrößerung der Schilddrüse 42-90%
  • Verstopfung
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Muskelschwäche
  • Konzentrationsschwäche und abnehmende Schulleistungen
  • Wachstumsverlangsamung
  • Vermehrtes Kälteempfinden
  • Gewichtzunahme
  • Verlangsamung der Herzfrequenz
  • Verzögerte Pubertätsentwicklung
  • Hohe Leberwerte und Blutfette

Nicht selten werden die schleichenden Veränderungen nicht mit einer Schilddrüsenerkrankung in Verbindung gebracht, oder im Falle von Jugendlichen auf die Pubertät geschoben. Deshalb bleiben speziell junge Patienten oft jahrelang nicht diagnostiziert und somit auch unbehandelt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kann sich eine unentdeckte Hashimoto Thyreoditis äußerst negativ auf die Entwicklung und auf schulische Leistungen auswirken.

Prävention Schilddrüse

Die Schilddrüsen-Vorsorge gehört zum Goldstandard in der Jugendmedizin bei PREVIMED

Als Kinderarzt und Jugendmediziner betrachten wir die Vorsorgeuntersuchung zur Schilddrüsengesundheit von Schulkindern und vor allem von Jugendlichen als absolut wesentlich. Darum haben wir die sorgfältige Untersuchung der Schilddrüse (Blutwerte und Ultraschall) zu unserem Goldstandard erhoben. Nur so lassen sich auffällige Patienten frühzeitig erkennen und einer Behandlung zuführen. Dabei zeigt sich oftmals, dass eine rechtzeitige Prophylaxe, z.B. durch die Gabe von Mikronährstoffen, gerade in diesem Alter sehr wichtig ist und positiven Einfluss auf die gesunde Entwicklung der Kinder nehmen kann. Denn die meisten Patienten weisen in diesem Alter keinerlei Symptome auf: höchstens eine leichte Vergrößerung der Schilddrüse, die Sie als Eltern gar nicht wahrnehmen.

Wann zur Schilddrüsen-Vorsorge?

Idealerweise eignen sich die Schuluntersuchungen – U10 und U11 – und die Jugendvorsorgen – J1 zwischen 12-14 Jahren und J2 zwischen 16-18 Jahren – für die  Beratung und Untersuchung zu diesem Thema. Es reicht dabei nicht aus, nur den TSH-Wert der Schilddrüse zu bestimmen, der die Schilddrüsenfunktion anzeigt. Vielmehr überprüfen wir auch die Schilddrüsen-Antikörper und sehen uns die Schilddrüse sorgfältig im Ultraschall an. Denn bei vielen Patienten mit beginnenden Schilddrüsenveränderungen liegen die herkömmlichen Laborwerte im Normbereich. Gerade weil diese Normwerte noch im Normalbereich liegen, bleibt die Hashimoto Thyreoditis so häufig unerkannt. Das gilt übrigens auch für betroffene Erwachsene. Hashimoto verlangt eine genaue Dianostik! Erst, wenn die Symptome allzu deutlich werden, bekommen viele Patienten die Hilfe, die sie schon seit Jahren benötigen würden.

Schilddrüsenerkrankungen im Ultraschall

In den folgenden Bildern zeigt sich, warum die Schilddrüsensonografie einen so hohen Stellenwert in unserem PREVIMED Gesundheitsforum hat. Oben ist eine gesunde Schilddrüse dargestellt und unten eine „kranke“ Schilddrüse mit dem klassischen Bild einer Hashimoto-Thyreoditis (echoarm=dunkel, vergrößert, aufgelockertes Gewebe). Beide Patienten waren subjektiv beschwerdefrei. Die Patientin mit Hashimoto-Thyreoditis hatte lediglich eine tastbar leicht vergrößerte Schilddrüse. Die Ultraschalluntersuchung gab Gewissheit.