Mami, mir ist so schlecht!

Was tun bei einer Lebensmittelvergiftung? 

Heute wollen wir uns mal des Themas „Lebensmittelvergiftung“ annehmen. Auslöser dafür sind meist Bakterien (z. B. Colibakterien oder Salmonellen), aber auch Viren (z. B. Hepatitis A) können starke Erkrankungssymptome hervorrufen. Eine Lebensmittelvergiftung ist leider gar nicht so selten, vor allem in den warmen Sommermonaten und in der Urlaubszeit. Da stehen Würstchen und Kartoffelsalat beim Grillen oder die Tiramisu im Urlaub schnell mal zu lange in der Wärme. Das leckere „Gelato“ war leider aus der falschen Eisdiele und der frisch gewaschene Salat im Hotel hatte einfach noch zuviel verunreinigtes Leitungswasser an sich. Dieses enthält in südlichen Ländern oftmals mehr „Leben“, als wir vertragen.

Die reichhaltige Keimflora (vor allem Colibakterien) im Wasser kann speziell kleinen Bäuchen ganz schön zusetzen. Denn das Immunsystem der Kleinen ist noch nicht fertig ausgereift und mit der Abwehr von Darmbakterien oft überfordert. Aber auch Erwachsene können stark betroffen sein!

Cook it, peel it or forget it
Es genügen im Ernstfall schon wenige Keime, um bei Kindern eine Erkrankung auszulösen. Also in südlichen Ländern kein Leitungswasser trinken. Das bedeutet übrigens auch Verzicht auf Eiswürfel. Die werden aus Leitungswasser hergestellt, und Gefrieren tötet längst nicht alle Keime ab. Die goldene Ernährungsregel im Ausland lautet sowieso: „Cook it, peel it or forget it!“. Wer sich an „Koch es, schäl es oder vergiss es“ hält, hat gute Chancen, sich und seine Familie gut durch die Urlaubszeit zu bringen. Und ein hygienisch verpacktes „Steckerleis“ schmeckt genauso gut!

Magen verdorben. Urlaub verdorben!
Vertrauen Sie auch auf das Urteil Ihrer Nase und dem Eindruck Ihres Kindes. Möchte es eine bestimmte Speise nicht essen, heißt das nicht immer, dass es sie einfach so verweigert. Gerade Babys und Kleinkinder haben sehr feine Sinne für Speisen, die verdorben sind. Die Folgen einer Lebensmittelvergiftung sind meist Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Fieber. Es kann auch zu blutigen Durchfällen kommen. Da das Immunsystem von Babys und Kleinkindern noch nicht voll ausgebildet ist, sollten Sie bei diesen Symptomen einen Arzt aufsuchen.

Was tun im Falle einer Lebensmittelvergiftung?
Durchfall und Erbrechen bitte erst einmal nicht stoppen, damit die Keime und Bakterien samt ihrer giftigen Nebenprodukte (Toxine) den Körper so schnell wie möglich verlassen. Besonders wichtig ist, dass Ihr Kind viel trinkt und die verlorene Flüssigkeit sowie die Elektrolyte wieder ausgleicht. Dafür sind oft größere Mengen an Elektrolytlösung aus der Apotheke gemischt mit Tee oder Wasser innerhalb von 3 Stunden notwendig. Als Richtwert gilt eine Trinkmenge von etwa 50 ml/kg Körpergewicht. Das heißt, ein Kleinkind mit 10 kg sollte ca 500 ml in den ersten 3 Stunden trinken! Gelingt dies nicht und die Fllüssigkeitsverluste nehmen zu, kann auch eine Infusion beim Arzt oder in der Klinik notwendig werden. Speziell Babys und Kleinkinder dehydrieren schnell. Seien Sie hier bitte besonders achtsam! Tipp: Wiegen Sie ihr Kind, dann können Sie die Flüssigkeitsverluste am besten abschätzen!

Allgemeine Empfehlungen:

  • Kinder, die an Erbrechen und/oder Durchfall leiden, brauchen einen Ersatz der verlorenen Flüssigkeit.
  • Sofern die Nahrung gut vertragen wird, dürfen Kinder normal essen.

Orale Rehydratation
Man spricht von oraler Rehydration, wenn eine Elektrolytlösung (= in Wasser gelöste Salze) über den Mund verabreicht werden. Elektrolyt- oder Rehydrationslösungen können immer gegeben werden, wenn Ihr Kind Flüssigkeitsverluste hat, Essen verweigert und gleichzeitig erbricht und/oder Durchfall hat. In Apotheken sind diese Lösungen frei verkäuflich erhältlich. Sie enthalten Glukose (Zucker) und Elektrolyte (Natrium, Kalium, Chlorid, Bicarbonat) und decken den Verlust durch Erbrechen und Durchfall. In den Präparaten ist das Mischungsverhältnis von Glucose und Natrium so optimiert, dass eine maximale Natrium- und damit Wasseraufnahme erreicht wird.

Was darf Ihr Kind jetzt essen
Es empfiehlt sich, die Kost fett- und eiweißarm zu gestalten. Sie sollten auf blähende Speisen (Hülsenfrüchte) verzichten. Milch ist für Kleinkinder und Säuglinge (Muttermilch) häufig ein gutes Nahrungsmittel, das sowohl verloren gegangene Kalorien als auch Flüssigkeit ersetzt. Überkommen ist das alte Hausmittel „Salzstangen und Cola bei Durchfall“, auch wenn größere Kinder vermutlich begeistert wären. Coffein, Zucker oder Süßstoffe in der Cola können den Durchfall sogar noch verschlimmern. Außerdem ist Cola generell furchtbar ungesund. Salzstangen ersetzen zwar das verlorene Natrium, doch es fehlen Kalium und andere Elektrolyte sowie Bicarbonat.

Besser sind Elektrolyte aus der Apotheke und mit Liebe servierter Tee sowie leicht verdauliches Essen. Sollte Ihr Kinder die von Ihnen favorisierten Speisen und Getränke so gar nicht akzeptieren, ist es besser, Sie lassen Ihr Kind essen und trinken, was es möchte. Denn Fasten oder gar Hungern ist keine Option! Also bitte keine Getränke oder Speisen vorenthalten, auch wenn sie Ihnen nicht optimal für die schnelle Genesung erscheinen.

Auch Globuli können jetzt hilfreich sein, z. B.:

  • Arsenicum album D12, 3-mal täglich 3 Globuli: Magen-Darm-Infektion mit Durchfall und Erbrechen
  • Okoubaka D12, 3-mal täglich 3 Globuli: Milde Lebensmittelvergiftung
  • Veratrum album D12, 3-mal täglich 3 Globuli: Magen-Darminfekt mit Brechdurchfall und körperlicher Schwäche

Normalerweise vergeht eine milde Lebensmittelvergiftung schnell wieder von selbst. Innerhalb weniger Tagen sind die Symptome meist verschwunden. Ruhe, Liebe und Fürsorge sind in dieser Zeit mit Abstand die besten Hausmittel. Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum Durchfall aufweisen oder sogar Blut im Stuhl haben, sollten Sie unbedingt Ihren Kinderarzt kontaktieren.

In diesem Sinne – Bleiben Sie gesund!

 

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Wertvolle Informationen rund um die Gesundheit Ihres Babys finden Sie auch in der 2019 erschienen Neuauflage des Bestsellers von Dr. Praun „Das große Babybuch“ aus dem GU Verlag.

 

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