Mein Kind hustet jetzt schon seit Wochen, das ist doch nicht normal, oder?

DER Spruch des Winters! Ob hinter dieser Frage nun die Sorge der Eltern steckt, dass ihr Kind vielleicht ein zu schwaches Immunsystem hat, oder ob sie denken, dass hinter dem Husten eine schwerere Erkrankung stecken könnte – der Husten nervt einfach ganz gewaltig. Und vielleicht hat der Kinderarzt / die Kinderärztin ja doch noch ein Zaubermittel parat, das den Husten schwuppdiwupp beendet.
Was ist also „normal“, wie unterscheidet man Husten von Husten, und wann sollte man doch noch ausführlichere Untersuchungen oder Behandlungen durchführen?

Wir möchten hier einige der für Sie interessantesten oder wichtigsten Aussagen zusammenfassen.

Zum Thema „normal“:

  • auch gesunde Kinder haben durchschnittlich 10 Hustenepisoden am Tag 
  • es ganz normal ist, wenn ein Kind 5-8x/Jahr einen Atemwegsinfekt hat, der 7-9 Tage (oder auch mal länger) dauert?

Es ist auch ganz normal, dass Kinder – gerade im Kindergartenalter – einen Infekt nach dem anderen bekommen. Wichtig ist hier die Beobachtung, ob es zwischenzeitlich eine Besserung gegeben hat, vielleicht sogar mehrere Tage ohne Husten.

Husten kann sehr viele unterschiedliche Ursachen haben. Und so unterscheidet sich auch der Klang des Hustens und die Möglichkeit, den Husten zu behandeln.

Wie finde ich nun heraus, ob mein Husten „nicht mehr normal“ ist?

Wir verwende hier das Wort „normal“, weil es so von vielen Eltern benutzt wird.

„Nicht mehr normal“ übersetzen wir so:

Husten, der weiter abgeklärt werden sollte. Also Husten, bei dem man noch einmal genauer hinterfragen sollte, woher er kommt, und ob weiterführendere Untersuchungen notwendig sind. 

Um die Ursache für den Husten zu finden, sind für uns als Kinderärzte folgende Fragen besonders wichtig:

Seit wann hustet Ihr Kind und in welchen Situationen?

Hustet Ihr Kind mehr nachts oder tagsüber?

Wenn es ein Baby ist: von Geburt an? Bei größeren Kindern: Seit wie vielen Tagen/Wochen?

Wie klingt der Husten?

Husten kann trocken klingen oder feucht/schleimig. Manchmal klingt Husten auch bellend oder man kann auch mal ein quietschendes/pfeifendes Geräusch hören.

Weitere Fragen wären

  • Hat Ihr Kind dabei andere Symptome wie Fieber, Schnupfen usw.?
  • Hat der Husten plötzlich angefangen (wenn beispielsweise ein Fremdkörper eingeatmet wird)?
  • Gibt es bekannte Allergien oder den Verdacht auf eine Allergie?
  • Wird in der Umgebung Ihres Kindes geraucht?

Wer sich nicht ganz sicher ist, dem ist mit einem Hustentagebuch sehr geholfen. Notieren Sie einfach für ein paar Tage, wann Ihr Kind hustet, wie der Husten klingt und was ihnen dabei auffällt. So ein Tagebuch – oder auch mal eine Filmaufnahme des Hustens – kann beim nächsten Untersuchungstermin von Vorteil sein.

Als Kinderärzte stellen wir Fragen wie die oben aufgeführten, und je nach Situation, noch andere Fragen mehr. Wenn wir dann bei der körperlichen Untersuchung die Atemwege abhören, achten wir – grob vereinfacht – auf Folgendes:

  • hört man Schleim, der in den Atemwegen rasselt (der Schleim kann zum Beispiel aus der Nase nach unten laufen oder in den Bronchien sitzen oder auch tiefer in der Lunge. Er kann von einem einfachen Schnupfen kommen, von einer Nasennebenhöhlenentzündung, einer Bronchitis, einer Lungenentzündung,..)
  • oder man hört ein Giemen (das ist ein quietschendes/pfeifendes Geräusch, das uns anzeigt, dass die Atemwege verengt sind, wie zum Beispiel bei Asthma oder einer obstruktiven Bronchitis)
  • oder ist das Atemgeräusch auf einer Seite schwächer als auf der anderen (wenn zum Beispiel ein Fremdkörper die Atemwege blockiert)
  • oder man hört vielleicht „nichts“ (das bedeutet: ich höre keinen Schleim, kein Quietschen oder Pfeifen, sondern ein normales Atemgeräusch)

Es ist es dann unsere Aufgabe zu unterscheiden, ob es sich – wie in den meisten Fällen – um einen einfachen Virusinfekt handelt oder ob eine Erkrankung dahinter steckt, die eine spezieller Behandlung benötigt, bzw. bei der man weitere Untersuchungen anschließen muss.

Genauer hinschauen oder weitere Untersuchungen anschließen muss man beispielsweise bei

  • einem schleimig klingenden Husten, der – ohne Unterbrechung – über 8 Wochen anhält
  • Husten seit der Geburt, der auf eine angeborene Erkrankung hinweisen kann
  • dem Verdacht, dass ein Kind einen Fremdkörper eingeatmet hat
  • dem Verdacht, dass es sich um eine Allergie handeln könnte
  • dem Verdacht, dass es sich um eine andere chronische Erkrankung handeln könnte

Aber noch einmal – zur Beruhigung:

  • meistens ist es ein Virusinfekt, mit dem der Körper ganz alleine fertig werden kann
  • auch wenn es sich so anfühlt, als ob Ihr Kind seit Monaten nur hustet: meistens sind es einfach mehrere Infekte hintereinander, bei denen manchmal kaum auffällt, dass es in der Zeit dazwischen eine Besserung gegeben hat
  • ein Virusinfekt kann auch mal 3 Wochen anhalten
  • es gibt auch den sogenannten „postviralen Husten“: hier sind die Atemwege nach einem Infekt besonders empfindlich und reagieren auf Reize sehr schnell mit Husten, auch wenn der eigentliche Infekt schon vorbei ist. Dieser postvirale Husten kann mehrere Wochen anhalten, ist aber harmlos.

Das so weit zum Thema „normal“.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage.. Was machen wir jetzt mit dem Husten?

Antwort: Das kommt auf die Ursache an.

Einige Ursachen erfordern eine spezielle Behandlung, die wir Kinderärzte in die Wege leiten werden.

Hier ein paar Beispiele:

  • In den seltensten Fällen kann man die unmittelbare Ursache für den Husten beseitigen, wie zum Beispiel einen eingeatmeten Fremdkörper.
  • Sind die Atemwege verengt, wie bei Asthma oder einer sogenannten obstruktiven Bronchitis, können wir Medikamente zum Inhalieren oder auch zum Schlucken verschreiben, die die Atemwege wieder erweitern. Hier ist aber wichtig, noch genauer zu untersuchen und zu hinterfragen: gibt es Allergien, odere andere Ursachen die die Verengung der Atemwege auslösen? usw…
  • Bei Krupp-Husten (auch Pseudokrupp genannt) gibt es für schwere Fälle Inhalationen oder Kortison als Zäpfchen oder auch Saft zum Schlucken.
  • Ist zum Beispiel eine bakterielle Lungenentzündung die Ursache für den Husten, kann man mit einem Antibiotikum weiterhelfen (was den Husten nicht sofort stoppt, klar, aber es bekämpft die Krankheit, die den Husten verursacht)
  • In seltenen Fällen brauchen die Patienten sogar eine Atemtherapie vom Physiotherapeuten.

Bei diesen und allen anderen speziellen Fragestellungen sind,wie gesagt, die Kinderärzte gefragt.

Jetzt geht es darum: Was tun, wenn wir doch nur einen einfachen Virusinfekt haben? Also eine ganz normale Erkältung mit Husten? (Wie in den allermeisten Fällen…)

Dann brauchen wir keine Medikamente, die die Lungen erweitern, kein Cortison und auch kein Antibiotikum. Trotzdem gibt es auch sonst noch jede Menge „Hustensäfte“, die man verordnet bekommt, sich in der Apotheke besorgen oder selbst zusammenmischen kann.

Hustensaft
Einteilen kann man diese Medikamente in sogenannte Hustenstiller, Schleimlöser und pflanzliche und homöopathische Medikamente, die reizlindernd, schleimlösend und/oder positiv auf das Immunsystem wirkend sein sollen.

Hustenstiller stillen – wie der Name schon sagt – den Husten. Das heißt: der Husten wird unterdrückt. Das ist allerdings meist nicht sinnvoll: Denn der Husten ist ein wichtiger Schutzreflex des Körpers, und dazu da, dass aus der Lunge entfernt wird, was nicht hineingehört. Ob Schmutz oder Schleim – das alles soll raus. In Ausnahmefällen, also wenn es sich um starken Reizhusten (ohne viel Schleim in der Lunge, der raus muss) handelt, oder ihr Kind einen schmerzhaften Husten hat, der Ihr Kind  – und Sie – nachts nicht schlafen lässt, kann so ein Hustenstiller zur Erleichterung und Erholung verordnet werden.

Achtung: die Verwendung von Hustenstillern mit sehr starker Wirkung, die Codein enthalten, ist mittlerweile bei Kindern unter 12 Jahren wegen schwerer Nebenwirkungen untersagt (unter anderem gab es Atemstillstände mit Todesfolge). Und so würden wir auch bei Menschen über 12 von der Verwendung dieser Präparate abraten. Es gibt andere Hustenstiller ohne Codein, die allerdings auch weniger stark wirken.

Schleimlöser sollen dabei helfen, den Schleim in den Atemwegen besser los zu werden. Wie weit das gelingt ist die Frage. Es gibt keine Untersuchung, die eindeutig eine schnelle Verbesserung zeigt. Einige Eltern sagen, dass sich dadurch der Schleim noch vermehrt hat, und sie es als eher unangenehm empfanden, dass ihr Kind noch mehr husten musste. Andere empfinden es so, dass der feste Schleim lockerer wird und besser abgehustet werden kann, was für sie angenehmer ist.

Wir denken, dass man hier individuell entscheiden muss, ob es dem Kind gut tut. Abraten würden wir nur davon, die Schleimlöser abends zu geben, damit der Schlaf nicht durch vermehrten Husten gestört wird. Es gibt keine Empfehlung für Hustensäfte. 

Bei pflanzlichen und homöopathischen Präparaten gibt es die unterschiedlichsten Zusammenstellungen und Wirkungsweisen. Ob nun reizlindernd, schleimlösend oder um den Körper zu unterstützen, mit der Erkrankung selbst fertig zu werden – das Angebot ist groß. Präparate mit Thymian, Primel oder Efeu werden in den ärztlichen Empfehlungen für Erwachsene als „mögliche Therapieoption“ erwähnt. Ansonsten – für die Freunde eindeutiger Beweislagen auch hier keine „harten Zahlen“. Aber immerhin: es ist wohl etwas dran.

Leider ist es einfach so, dass man bei vielen Medikamenten für Kinder (nicht nur bei Hustenmitteln) immer sagen muss: Es gibt Hinweise darauf, dass es wirkt, aber die „richtigen“ Studien fehlen noch. Oder: bei Erwachsenen ist es schon ausreichend getestet, aber bei Kindern nicht.

Viele, die dann entsprechende Mittel ausprobieren, merken eine Besserung. Ob das nun einfach das angenehme Gefühl im Hals ist, wenn man den Saft oder die Tropfen schluckt, oder ob der Placeboeffekt hier hilft, oder ob wir durch die Medikamente wirklich schneller wieder gesund sind, kann man im Einzelfall nicht sagen. Klar, denn wir wissen ja nicht, wie es verlaufen wäre, wenn wir sie nicht eingenommen hätten.

Womit wir fließend übergehen in die Kategorie „Tut gut, ohne dass es jemand (ausreichend) bewiesen hat“:

Inhalationen tun gut, besonders auch wenn die Nase/Nebenhöhlen mit betroffen sind. Hier zu beachten: Möchte man zum Beispiel Kochsalzlösung inhalieren, und man tut das, indem man Salzwasser erhitzt und den Dampf inhaliert, wird man hinterher den größten Teil des Salzes unten im Topf wiederfinden. Hier eignet sich besser ein Inhalationsgerät, das Tröpfchen per Ultraschall / Kompressor vernebelt. Dies ist die effektivste Möglichkeit die Atemwege anzufeuchten, Sekret zu mobilisieren und das Abhusten zu erleichtern - allerdings nur solange das Kind freiwillig mitmacht und es als angenehm empfindet. Auf keinen Fall sollte das Kind gezwungen werden. 

Heilsame Wirkstoffe findet man weiterhin in vielen Pflanzen, die als Hausmittel wie Zwiebelsaft oder Wickel mit Ingwermehl oder Einreibungen mit Lavendel- oder anderen Ölen verwendet werden. Die Frage ist nur: wie soll man selbstgemischte Säfte etc. dosieren? Wir denken, dass man da bei Zwiebelsaft nicht viel falsch machen kann. Aber gerade bei Einreibungen mit ätherischen Ölen bitte aufpassen, die können die Atemwege Ihres Kindes noch mehr reizen, sowie die Augen und die Haut. Bitte verwenden Sie nur Öle für Brustwickel aus der Apotheke, die für diese Anwendung auch zugelassen sind!

Wohltuender ist da vielleicht der Klassiker: Tee mit Honig (Honig aber erst ab dem ersten Geburtstag!). Oder Salbei-Bonbons (auch nicht für Säuglinge und Kleinkinder zu empfehlen…).  

Ganz wichtig: Was nützt es uns, wenn unsere Kinder eingerieben und eingewickelt werden, dieses ganze Zeug schlucken, lutschen und inhalieren, aber ein Elternteil raucht in der Wohnung? Nichts! 

Also: frische Luft her. Die trockene Heizungsluft im Winter ist übrigens auch ein Reizfaktor für die Atemwege. Also Kind warm einpacken und nach draußen.

 



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