Klassische Kinderkrankheiten

Jedes Kind wird mit einem gewissen "Nestschutz" gegen Infektionskrankheiten geboren. Über die Nabelschnur hat es von der Mutter Abwehrstoffe bekommen, die für einige Wochen, wahrscheinlich mindestens drei Monate lang, vor vielen Infektionen schützen.
Ab dem zweiten Lebenshalbjahr häufen sich dann aber bei vielen Kindern die Infekte. Infekte sind notwendig, damit sich ein stabiles Abwehrsystem gegen viele Krankheitserreger in unserer Umwelt aufbauen kann. Eine vermeintlich besondere Infektneigung mit vielen Infektionen pro Jahr ist damit eigentlich normal und reguliert sich im späten Vorschulalter oder Schulalter von allein, wenn das Abwehrsystem gereift ist.

Wir haben Ihnen hier eine Auswahl der häufigsten Kinderkrankheiten erstellt. 

WINDPOCKEN

Varizellen werden durch das Varicella-Zoster-Virus verursacht. Sie sind verwandt mit dem Dreitagefieber und den ebenso Herpesvirus-bedingten Fieberblasen (Lippenherpes). Sie sind hochgradig ansteckend. 80 bis 90 Prozent aller Kinder stecken sich an, wenn sie Kontakt mit einem erkrankten Kind hatten. Und oft schon, bevor dieses Kind die typischen Bläschen zeigt. Ein umfassender Schutz vor einer Ansteckung ist daher gar nicht möglich.

Der Name „Windpocken“ erinnert daran, dass sie zu den „fliegenden Infektionen“ gehören, die sich auch über kürzere Distanzen auf dem Luftweg und nicht nur direkt von Körper zu Körper verbreiten können. Solch eine Tröpfcheninfektion wird durch vor allem durch Niesen, Husten, Sprechen übertragen. Andererseits können die Viren in der trockenen Raumluft nur etwa 10 Minuten überleben. Eine Übertragung nur über Kleidungsstücke von Erkrankten ist eher unwahrscheinlich.
Windpocken shutterstock 794002129Bei Kindern im Vorschulalter verläuft die Erkrankung in der Regel mild, mit wenig Juckreiz, relativ schnell und ohne Komplikationen. Nach zwei bis drei Tagen mit Fieber und Unwohlsein und mehr oder weniger starkem Juckreiz ist der Spuk nach fünf bis sieben Tagen meist vorbei.

Von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) vergehen im Extremfall nur 8 Tage, aber höchstens 28 Tage. Der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Tagen. Ansteckend ist ein Kind bereits einen Tag vor Ausbruch der Bläschen und bis zu deren Eintrocknen - in deutlich absteigender Intensität. Die Ansteckungsgefahr ist also am größten zu Beginn der Erkrankung (auch wenn noch gar keine Bläschen zu sehen sind) und am kleinsten, wenn die ersten Tage vorbei sind. Hochinfektiös ist der Inhalt frischer, gerade aufgeplatzter Bläschen.

Die Krankheitsphase dauert zwischen fünf und maximal zehn Tage. Da die Kinder ab dem 7. Krankheitstag kaum noch ansteckend sind - auch wenn die letzte Kruste noch nicht abgefallen ist - kann das Kind wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen.

WICHTIG: Es sollten sich in derselben Einrichtung keine gefährdeten immungeschwächten Kinder befinden (z.B. nach Krebstherapie oder Organtransplantation). Die Eltern solcher Kinder (bei Schulkindern auch der Schularzt) müssen vom Personal informiert werden.


Verlaufen die Windpocken komplikationslos, werden nur die Symptome behandelt, insbesondere der Juckreiz. So kann man verhindern, dass sich die Bläschen durch Aufkratzen entzünden. Bewährt haben sich die folgenden Maßnahmen:

Aufenthalt in kühler Umgebung, denn Wärme und Schweiß verstärken den Juckreiz
Fingernägel kürzen, um ein Aufkratzen der Bläschen zu vermeiden
juckreizlindernde Mittel zur lokalen Anwendung auf der Haut (Lotionen, Gele, Puder, meist mit Wirkstoffen wie Gerbstoffen, Zink oder Polidocanol)

 

HAND-MUND-FUß KRANKHEIT


Der Name dieser Infektionskrankheit lässt an die Maul- und Klauen-Seuche denken, die Klauentiere wie Rinder und Schweine befällt. Sie wird aber durch eine andere Virengattung verursacht.
Die HFM-Erkrankung tritt überwiegend im Frühjahr, Spätsommer und Herbst und bei Kindern zwischen 2 und 6 Jahren auf und verläuft in der Regel komplikationslos. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr gibt es häufig kleine Epidemien in Tagesstätten und Kindergärten. Typisch sind kleine rote Punkte und Bläschen vor allem im Bereich der Füße, Hände und im Mundraum. Da oft nur ein Teil der Kinder mit Symptomen erkrankt, wird vermutet, dass sie bei den meisten Kindern symptomlos verläuft. In Asien soll etwa die Hälfte aller Jugendlichen positive Antikörper haben, obwohl sie nie Krankheitszeichen hatten. Erwachsene zeigen praktisch nie Krankheitssymptome.


Verantwortlich für die HFM-Krankheit sind verschiedene Typen von Coxsackie- und Enteroviren. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) oder durch Kontakt mit dem Bläscheninhalt, Speichel oder Stuhl, über Türklinken, Handtücher, Badewasser usw. Die Ansteckungsgefahr ist am höchsten, wenn Betroffene noch gar nichts von der Erkrankung wissen, d.h. zwei bis drei Tage vor Beginn der Krankheit, und dauert bis zum AbheilenHFM Krankheit shutterstock 1173128560 der Bläschen. Der Stuhl kann bis zu zwei Wochen länger infektiös bleiben. Allgemeine Hygiene-Maßnahmen gegen die Schmierinfektion sind sehr wichtig, vor allem häufiges Händewaschen mit Seife, vor allem nach der Toilette oder dem Wickeln, aber auch möglichst wenig Körperkontakt mit Erkrankten oder mit Gegenständen, die von Kranken angefasst werden.
Wichtig ist, dass auch Erwachsene, die häufig kaum Symptome entwickeln, ansteckend sein können. Sollten Sie bei sich grippeähnliche Symptome feststellen, achten Sie auf besonders sorgfältige Hygienemaßnahmen und vermeiden Sie wo möglich den direkten Kontakt zu kleinen Kindern.


Die Krankheit kann unterschiedlich verlaufen, manchmal sogar symptomlos. Drei bis sieben (maximal 30) Tage nach der Infektion mit dem Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeinem Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit und eventuell Husten, oft gefolgt von einem roten, juckenden Hautausschlag im Bereich von Mund und Nase. Viele Kinder sind unleidlich und brauchen mehr Schlaf. Babys verlieren Speichel, weil das Schlucken schmerzhaft ist.
Danach erscheint ein Ekzem an den Händen und Füssen (vor allem an den Handinnenflächen und Sohlen, kann aber auch in den Zwischenräumen von Zehen und Fingern auftauchen), bei Säuglingen auch im Windelbereich. Es kann vorkommen, dass sich bei Betroffenen nach einiger Zeit die Finger- und Zehennägel verformen oder sogar ablösen.


Der Ausschlag sieht anfangs nur rot entzündet aus, geht dann aber in 3-8 mm große weißgraue Bläschen mit schmalem rotem Rande über. Vor allem im Rachen, auf der Zunge, am Zahnfleisch und an der Innenseite der Wangen entstehen so schmerzhafte Geschwüre (Aphthen). Essen und Trinken wird von den Kindern dann oft verweigert, was zu Mattigkeit und einem gefährlichen Flüssigkeitsmangel führen kann, v.a. wenn gleichzeitig Fieber besteht. Bieten Sie dann immer wieder kalte Getränke an (s. Behandlung der HFM-Krankheit).
Inhalt und Oberfläche der Bläschen sind virushaltig und deshalb hoch ansteckend! Sie sollten möglichst nicht aufgekratzt werden!


Nach rund einer Woche bis 10 Tagen heilen die Bläschen ohne Krustenbildung wieder ab. Jedoch können die Kinder noch über längere Zeit Viren im Stuhl ausscheiden.
 
Die Bläschen verschwinden von selbst nach 7-12 Tagen, ohne dass Krusten oder Narben. Behandeln lassen sich nur die Symptome. Leidet das Kind unter Fieber, helfen Paracetamol oder Ibuprofen, alters- und gewichtsgerecht dosiert. Juckt und schmerzt der Ausschlag, kann man eine entzündungshemmende Zinkoxid- Schüttelmixtur auftragen. Leicht gekühlte Getränke ohne Säure – also keinen Saft und keine roten Früchtetees. Kühle oder lauwarme Speisen, die gut rutschen, sind jetzt am besten: Brei, Joghurt, Pudding, Suppe oder Eis. Wenn der Mund sehr wehtut, hilft ein Strohhalm beim Essen und Trinken.

 

RINGELRÖTELN

Die Ringelröteln-Viren (Parvovirus B19) kommen nur beim Menschen vor. Oft verlaufen Ringelröteln völlig unbemerkt oder wie ein leichter grippaler Infekt. Erkrankt jedoch eine schwangere Frau, kann das ungeborene Kind Schaden erleiden. In Kindergärten und Schulen häufen sich die Krankheitsfälle vor allem vom Spätwinter bis zum Frühsommer. Eine Ansteckungsgefahr besteht nur für Menschen, die noch nicht an Ringelröteln erkrankt waren. Wer die Krankheit einmal überstanden hat, ist lebenslang geschützt. Man kann also kein zweites Mal erkranken.


Beim Niesen, Husten oder Sprechen werden die Viren über feinste Speichel-Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch weitergetragen. Auch über Hände können die Viren weitergegeben werden, wenn ein Erkrankter zum Beispiel in die Hand niest und danach einem Gesunden die Hand gibt. Von der Hand können die Erreger anschließend auf Schleimhäute von Nase oder Mund verteilt werden und so zu einer Ansteckung führen.
Schwangere können die Erreger an ihr ungeborenes Kind weitergeben, unabhängig davon, ob die Mutter Krankheitszeichen entwickelt oder ob die Erkrankung unbemerkt verläuft. Das Ungeborene ist hierdurch sehr gefährdet.
Die Erreger sind auch in der Umwelt sehr widerstandsfähig. Auch über Gegenstände wie Türklinken oder Spielzeug, an denen Erreger haften, können die Viren übertragen werden und zu einer Ansteckung führen.


Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten des typischen Hautausschlages beträgt ca. 1 bis 2 Wochen. Die Ansteckungsgefahr für andere ist in den Tagen vor Auftreten des Hautausschlages am höchsten. Damit ist man zu einer Zeit für andere ansteckend, in der man noch nicht weiß, dass man die Viren in sich trägt. Sobald der Hautauschlag auftritt, geht die Ansteckungsgefahr deutlich zurück. Auch wenn die Ringelröteln ganz ohne erkennbare Krankheitszeichen verlaufen, ist der Betroffene ebenfalls für einige Tage ansteckend.
Häufig verlaufen Ringelröteln ohne oder nur mit leichten Krankheitszeichen oder mit Krankheitszeichen wie bei einem grippalen Infekt mit Fieber, einer Schwellung der Lymphknoten, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Gut erkennbar ist die Krankheit an dem typischen Hautausschlag. Dabei bildet sich ca. 1 bis 2 Wochen nach einer Ansteckung zunächst eine schmetterlingsförmige, großfleckige Rötung auf beiden Wangen. Ein bis zwei Tage später zeigen sich fleckförmige, rote Hautveränderungen auf Schultern, Oberarmen, Oberschenkeln und Gesäß, die sich in ihrer Form ändern können und sich später Girlanden- oder Ringelförmig ausbilden. Der Ausschlag blasst nach 7 bis 10 Tagen ab, kann aber gelegentlich bei Stress, Sonnenbelastung oder aus anderen Ursachen in den Folgetagen noch einmal deutlicher werden. Selten besteht Juckreiz, gelegentlich ein Spannungsgefühl.


In der Regel ist eine Behandlung nicht notwendig. Bei fieberhaften Temperaturen können fiebersenkende Maßnahmen ergriffen werden.
Den auslösenden Virus muss der menschliche Körper selbst bekämpfen. Lediglich die Haut benötigt meist nach der Erkrankung mehr Pflege, weil sie rau und schuppig sein kann. Diese Pflege kann durch Ölbäder und fett/feuchte Lotionen erfolgen.

 

STREPTOKOKKEN A INFEKTION (z.B. Scharlach)


Bei einer Erkrankung aufgrund von Streptokokken handelt es sich um eine Infektion. Während der Großteil aller Krankheiten im Kindesalter von Viren ausgelöst wird, ist eine Streptokokken-Infektion immer auf die gleichnamigen Bakterien zurückzuführen. Streptokokken der Gruppe A gelten als Auslöser für Scharlach, Infektionen der oberen Atemwege sowie Rachen- und Mandelentzündungen. Üblicherweise beginnt die Erkrankung ähnlich wie eine Erkältung oder Grippe, im Laufe der Zeit entwickeln sich dann erst typische Symptome wie Ausschlag, starke Schluckbeschwerden oder gerötete Zunge. Streptokokken-Infektionen betreffen Kindergarten- und Schulkinder im Alter von 3 bis 7 Jahren.


Die Erreger werden in Form von Tröpfchen über die Luft übertragen, z.B. beim Husten oder Niesen. Seltener, aber dennoch möglich, ist eine Ansteckung über gemeinsam benutztes Geschirr oder Spielzeug. Am häufigsten infizieren sich Kinder im Kindergarten oder in der Schule, manchmal sind auch Familienmitglieder/Geschwister Überträger der Krankheit. Interessantes Detail: 20% aller Menschen sind mit Streptokokken A infiziert, ohne dass sie es merken.


Die Inkubationszeit einer Streptokokken-Infektion wird mit 2-5 Tagen angegeben. Nach dieser Zeit machen sich die ersten Symptome bemerkbar. Anfänglich ist Scharlach von einer herkömmlichen Grippeerkrankung schwer zu unterscheiden. Zu den Symptomen zählen:
Fieber/erhöhte Temperatur, Schüttelfrost, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Bauchkrämpfe), gelegentlich Schnupfen und Ohrenschmerzen, Halsschmerzen (Schluckbeschwerden) und Schwellung der Lymphknoten.
Für Eltern ist also nicht sofort klar, dass es sich um eine Streptokokken-Infektion handelt. Außer es gibt bereits ähnliche Fälle im Kindergarten/in der Familie, dann ist die Achtsamkeit natürlich erhöht.


Es besteht die Möglichkeit, einen Rachenabstrich zu nehmen und die Probe hinsichtlich des Erregers zu untersuchen. Entsprechende Schnelltests erlauben eine Auswertung innerhalb weniger Minuten. Scharlach oder Racheninfektionen, die auf A-Streptokokken zurückzuführen sind, werden normalerweise mit Antibiotika behandelt. Zusätzlich zur Antibiotika-Therapie kann der Arzt/die Ärztin schmerzstillende Mittel verschreiben, um deinem Kind das Schlucken zu erleichtern. Nach mehrtägiger Medikamenteneinnahme und Schonung können Betroffene wieder den Kindergarten oder die Schule besuchen.

 

GRINDFLECHTE (Impetigo Contagiosa)


Die Grindflechte oder Eiterflechte ist eine häufig bei Kindern vorkommende Hautinfektion im Gesicht, am Kopf, den Armen und Beinen. Sie ist sehr ansteckend und wird von Bakterien (Streptokokken oder Staphylokokken) verursacht, die über eine Schmierinfektion, d.h. durch unmittelbaren Kontakt, übertragen werden. Die Erreger befinden sich auch auf Handtüchern, Kämmen und Spielzeug. Eintrittspforten sind häufig kleine Hautverletzungen. Unhygienische Verhältnisse und warme Witterung begünstigen die Ansteckung.


Impetigo shutterstock 520948201Zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung entstehen auf der Haut Fleckchen, auf denen sich Bläschen und Pusteln entwickeln. Wenn sie platzen, entwickelt sich auf den Wunden ein gelblicher Schorf (typische „honiggelbe Krusten“). Ein anderer Name ist deshalb auch "Eiterflechte". Die charakteristischen Hauterscheinungen treten oft zuerst im Gesicht auf, besonders um Mund und Nase. Der Ausschlag juckt.


Normalerweise wird Grindflechte mit Antibiotikahaltigen Salben behandelt. Bessert sich die Krankheit nach vier bis fünf Tagen nicht, kann der Arzt Antibiotika zum Einnehmen verschreiben. Keinesfalls darf eine Therapie vorzeitig abgebrochen werden: Das führt möglicherweise dazu, dass die Bakterien resistent (unempfindlich) gegen die Antibiotika werden.
Hygienische Maßnahmen zusätzlich zu der medikamentösen Behandlung sind sehr wichtig. Waschen Sie Ihre Hände und die Ihres Kindes regelmäßig mit Wasser und Seife. Achten Sie bei sich selbst und bei Ihrem erkrankten Kind auf kurz geschnittene Fingernägel. Kochen Sie Handtücher und Bettwäsche aus. Berühren Sie niemals direkt die Wunden Ihres Kindes! Versuchen Sie auch zu verhindern, dass Ihr Kind sich an den betroffenen Stellen kratzt, auch wenn sie sehr stark jucken, denn das fördert die weitere Verbreitung der Erreger.


Wenn sich der Schorf weiter ausbreitet und verstärkt, nach drei Tagen Behandlungszeit nicht abgeheilt ist, Fieber auftritt oder wenn es nach der Einnahme von Medikamenten zu Unwohlsein, Atemnot, Ausschlag, Schwellungen, Juckreiz oder Magenschmerzen kommt, sollten Sie mit Ihrem Kind dringend wieder einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

 

 



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