HPV-Impfung

Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV)

Was haben Genitalwarzen, Gebärmutterhalskrebs und Peniskrebs gemeinsam? Sie alle können durch weitverbreitete Papillomaviren – auch Papillomviren genannt – hervorgerufen werden. Die von uns empfohlene Impfung gegen HP-Viren senkt das Risiko, daran zu erkranken, deutlich. Humane Papillomaviren (kurz: HPV) gehören zu den sexuell übertragbaren Erregern. Es sind mehr als 100 verschiedene Virustypen der humanen Papillomaviren bekannt, die den Menschen befallen. Manche von ihnen rufen unangenehme Genitalwarzen hervor. Andere Hochrisiko-HPV-Typen verursachen Veränderungen an Zellen und fördern das Risiko für:

  • Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
  • Vaginalkrebs
  • Peniskrebs
  • Mandelkrebs
  • sowie für Kehlkopfkrebs
  • bestimmte Hautkrebsformen.

Impfen schützt! 

HPV Impfung 2

Humane Papillomaviren ein weitverbreitetes Risiko

Etwa 70 bis 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen und Männer stecken sich im Laufe ihres Lebens mit Humanen Papillomaviren an. Natürlich löst nicht jede Infektion mit HPV Krebs oder Genitalwarzen aus. Die meisten Infektionen werden durch das Immunsystem frühzeitig erkannt und bekämpft. Jedoch kommt es in bis zu 20 % der Fälle zu langwierigen Infektionen. Diese wiederum können zu Krebsvorstufen und schließlich zu Krebs führen. Eine HPV-Impfung bietet die Chance, Infektionen mit verschiedenen HPV-Typen zu verhindern, die für etwa 90 % aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.

Impfung zwischen 9 und 17 Jahren und wichtig vor dem ersten Geschlechtsverkehr!

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen von neun bis 14 Jahren. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahre (d. h. dem Tag vor dem 18. Geburtstag) sollen versäumte HPV Impfungen nachgeholt werden. Die HPV-Impfung ist am wirksamsten, wenn sie vor dem ersten Sexualkontakt – auch Petting – erfolgt. Denn sie greift nur als vorbeugende Maßnahme und wirkt nicht mehr, wenn bereits eine Infektion mit den Papillomaviren besteht. Der erste Sexualkontakt ist selten geplant und wird noch weniger mit Eltern oder Ärzten abgesprochen. Deshalb verpasst – Studien zufolge – ein Großteil der Mädchen in Deutschland den idealen Impfzeitpunkt.  Impfen Sie rechtzeitig.

Sollten sich auch Jungs impfen lassen?

Ein ganz klares Ja von unserer Seite für die Impfung von Jungen! Denn HP-Viren können auch bei Jungen bzw. Männern zu Erkrankungen führen, wie z. B. Genitalwarzen. Diese finden sich dann typischerweise um den Anus oder auf dem Penis, dem Skrotum (Hodensack), in der Leistengegend oder am Oberschenkel. Das Erscheinungsbild dieser Warzen kann von kleinen, flockigen Flecken bis hin zu ausgeprägten, erhabenen Geschwülsten variieren.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) sprechen diese Empfehlung aus. Die Vorgabe der STIKO, nur Mädchen impfen zu lassen, ist nach der aktuellen Studienlage und unseres Erachtens nicht mehr zeitgemäß. Neueste Studien zeigen, dass die HPV-Impfung auch bei Jungen bzw. jungen Männern wirksam ist. In randomisierten kontrollierten Studien wurde die Schutzwirkung des HPV-Impfstoffs gegen Genitalwarzen und Vorstufen des Penis- und Analkarzinoms bei Jungen und jungen Männern nachgewiesen. Daten aus Australien zeigen zudem, dass die HPV-Impfung für Jungen auch bezogen auf den sogenannten Herdenschutz notwendig ist. Denn nur die Mädchen zu impfen, reicht im Sinne eines umfassenden Schutzes unabhängig von der sexuellen Orientierung nicht aus. Wichtig ist auch hier, dass die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt stattfindet.

Da für die HPV-Impfung bei Jungen aber noch keine öffentliche Empfehlung der Länder vorliegt (außer in Sachsen), können in einem Impfschadensfall keine Ansprüche an das Versorgungsamt geltend gemacht werden. Zudem sollte vorab geklärt werden, ob die Krankenkasse die Kosten der Impfung übernimmt. Das erfahren Sie hier. (Link)

 

Weiterführende Informationen

Welche Krankheiten können durch HP-Viren verursacht werden?

Eine Vielzahl von experimentellen und bevölkerungsübergreifenden Studien, die in den frühen 80er-Jahren in Deutschland begonnen wurden, hat gezeigt, dass bestimmte Papillomavirus-Typen des Menschen (HPV) für die Entstehung von Genitalwarzen (Condylomata acuminata) und für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) verantwortlich sind.

HP-Viren und Krebs

Die sogenannten Gering- beziehungsweise Hochrisiko-Papillomavirus-Typen verursachen mehr als 99 % der Zervikalkarzinome (Gebärmutterhalskrebs) und mehr als 90 % der Fälle von Genitalwarzen. Außerdem sind Hochrisiko-HPV-Typen auch für die Entstehung von mehr als 50 % der seltener auftretenden malignen Arten von Penis-, Vulva und Analkrebs sowie für bis zu 20 % der Krebsarten im Hals und Rachenbereich verantwortlich. In Deutschland erkranken jährlich ca. 7.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die Häufigkeit der oft therapieresistenten Genitalwarzen wird auf jährlich 40.000 bis 50.000 Fälle geschätzt.

Feigwarzen/ Genitalwarzen (Condylomata acuminata)

Bei den Genital- oder Feigwarzen handelt es sich um stecknadelkopfgroße, bis mehrere Zentimeter große Papeln rötlicher, graubräunlicher oder weißlicher Farbe. Sie treten meistens in großer Zahl auf, neigen zur Beetbildung und können gelegentlich riesenhafte Anhäufungen von Warzen ausbilden. Mögliche Begleitsymptome sind Juckreiz, Brennen, (Kontakt-)Blutungen und Fluor (Ausfluss). Psychische und soziale Probleme sind häufig. Genitalwarzen haben einen entscheidenden Einfluss auf das Sexualleben. Nicht selten führen sie zu Scham, Schuldgefühlen und Störungen im Selbstbewusstsein.

Übertragung durch Sexualkontakte

HP-Viren werden hauptsächlich durch Sexualkontakte – auch bereits durch Petting – übertragen. Bei sexuell aktiven Jugendlichen und jungen Frauen wird HPV sehr häufig nachgewiesen, obwohl meist weder klinische Zeichen noch Symptome einer Infektion vorhanden sind. Der direkte Kontakt mit infizierten Körperregionen (Haut, Schleimhaut) beim Sex oder infizierten Gegenständen kann zu einer Infektion führen. Doch nicht nur beim Sex ist eine Ansteckung möglich: Eine HPV-infizierte Mutter kann die Viren bei der Geburt auch auf ein neugeborenes Kind übertragen.

HPV-Infektion Erkrankung und Prävention

Eine Immunität gegen HPV besteht immer nur für bestimmte, einzelne HPV-Typen, sodass die Infektion mit verschiedenen HPV-Typen nacheinander oder gleichzeitig möglich ist. Bei den meisten Personen bleiben Infektionen mit HPV ohne Symptome und heilen spontan aus. Dagegen stellt das Fortbestehen einer HPV-Infektion über viele Jahre – und damit die Unfähigkeit des Immunsystems, die Infektion auszuheilen –, einen hohen Risikofaktor für die Entstehung von Hautveränderungen bzw. Krebs dar.

Schützen Kondome vor einer Übertragung?

Da die HP-Viren meist durch engen Hautkontakt im Genitalbereich übertragen werden, ist das Risiko sich eine HPV-Infektion und Genitalwarzen zuzuziehen vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit wechselnden oder unbekannten Sexualpartnern sehr groß. Die Verwendung von Kondomen vermindert das Übertragungsrisiko einer HPV-Infektion zwischen Mann und Frau deutlich – aber nicht zu 100 %. Denn sie können nur dann eine Ansteckung verhindern, wenn sich die Genitalwarzen – seien sie nun bereits sichtbar oder nicht – direkt an Penis bzw. Vagina befinden und die betroffenen Hautstellen vom Kondom bedeckt sind.


Quelle: Prävention, Diagnostik und Therapie der HPVInfektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) Arbeitsgemeinschaft Infektiologie und Infektimmunologie (AGII) Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) Deutsche Gesellschaft für Pathologie e. V. Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. Deutsche Krebsgesellschaft e. V. Deutsche STD-Gesellschaft e. V. Frauenselbsthilfe nach Krebs e. V.
Quelle: RKI